Schieldiagnostik und -therapie
Etwa 5% der Kinder und 5-7% der Bevölkerung schielen – Schielen ist also keine Seltenheit!
Es gibt viele verschiedene Formen des Schielens, die in der Kindheit oder im Erwachsenenalter auftreten können.
Was bedeutet „Schielen“?
Der Fachausdruck für Schielen lautet Strabismus und bedeutet, dass die Blickrichtungen der beiden Augen nicht zu jedem Zeitpunkt gleichzeitig auf einen Gegenstand gerichtet sind. Das Gehirn erhält zur selben Zeit zwei verschiedene Bilder aus der Umwelt, man sieht doppelt.
Tritt ein Schielen bereits im frühen Kindesalter auf, so ist das Gehirn noch formbar, und das störende Doppelbild kann unterdrückt werden. Es muss jedoch ein hoher Preis für dieses Einfachsehen gezahlt werden, denn die Folge ist der Verlust des normalen, beidäugigen und damit räumlichen (dreidimensionalen Stereo-) Sehens und eine erheblichen Verschlechterung des Sehens am unterdrückten Auge (Amblyopie).
Schielen besonders im Kindesalter kann zu einer erheblichen Sehminderung führen – Schielen ist kein „Schönheitsfehler“!
Je früher das Schielen im Leben des Kindes auftritt und je später es behandelt wird, desto schwerer kann die Sehminderung sein. Die Chancen auf einen Erfolg der Behandlung sinken mit zunehmendem Alter des Kindes. Mit Beginn des Schulalters ist eine ausgeprägte Sehschwäche kaum noch beeinflussbar.
Sollten Sie also nur den kleinsten Verdacht auf das Schielen ihres Babys oder Kindes haben oder bestehen andere Auffälligkeiten der Augen, dann suchen Sie bitte sofort Ihren Augenarzt auf.
Wichtig ist zu wissen, dass es auch Schielformen gibt, die äußerlich nicht auffallen, wie das so genannte Mikroschielen. Hier kommt es nur zu einem ganz geringen Abweichen des Auges. Auch bei dieser Schielform tritt unbemerkt eine Schwachsichtigkeit und der Verlust des räumlichen Sehens auf.
Wenn Sie wirklich sicher sein wollen, dass die Augen Ihres Kindes ganz gesund sind, dann nutzen Sie die Vorsorgeuntersuchung bei Ihrem Augenarzt.
Wir empfehlen für alle Kinder eine Vorsorgeuntersuchung zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr.
Sollten sich Schieler, Brillenträger oder Verwandte mit erblichen Augenerkrankungen in der Familie befinden, dann raten wir zur ersten augenärztlichen Untersuchung im ersten Lebensjahr.
Wichtig ist, dass Sie bei sichtbaren und plötzlichen Veränderungen an Ihren Augen oder an den Augen Ihres Kindes sowie bei Doppelbildwahrnehmung sofort einen Augenarzt aufsuchen!
